Vorwort

Auf den folgenden Seiten versuchen wir die wechselvolle Geschichte des Schützenwesens der Stadt Bautzen im Laufe der Jahre etwas näher zu beleuchten.

Wir stützen uns dabei auf Quellen aus mehreren Jahrhunderten. Um die Zusammenhänge nicht auseinander zu reißen werden alle Texte möglichst originalgetreu wiedergegeben, auch wenn uns in der heutigen Zeit so manches Wort oder die Art und Weise wie etwas geschrieben wurde etwas befremdlich erscheinen mag.
Der geneigte Leser möge dies verzeihen.

Die vorliegenden Informationen könnten wir heute nicht veröffentlichen ohne die unermüdliche Arbeit von Schützenbruder Rainer Bürger und seiner Familie. Familie Bürger Sie haben nach der Wiedervereinigung unseres Landes in aufopferungsvoller Kleinarbeit unzählige Archive, sowohl in Bautzen als auch in Dresden, durchforstet und jede noch so kleine Information zusammengetragen.

Dafür gilt Ihnen unser Dank!

Sollten Sie, werter Leser, noch etwas wissen, was hier fehlt oder weitere Informationen oder geschichtliche Zeugnisse, wie Urkunden oder Pokale, haben, so würden wir uns freuen, wenn wir dieses Wissen unserer Geschichte hinzufügen können.
Sollte Ihnen ein Fehler auffallen, gilt natürlich das Gleiche.

Im ersten Teil beschäftigen wir uns mit der Geschichte des Schützenwesens im Allgemeinen.
Teil 2 listet alle uns bekannten Schützenkönige und Gefolge auf.
Der Text über die Schützenartikel bringt uns die Regeln des Schießens zu damaliger Zeit etwas näher.

Viel Spaß beim Lesen von über 350 Jahren Geschichte des Schützenwesens in Bautzen!


Einführung

Das Schützenwesen in Bautzen geht vermutlich auf das Ende des 14. Jahrhunderts zurück. In der Broschüre "Das Schützenwesen und die Bürgerwehren im alten Bautzen" wurde der erste Nachweis über Bürgerpflichten im Verteidigungsfall nach dem Pönfall 1547 erbracht. Um diese Verteidigungspflichten zu erfüllen, waren monatliche Waffenübungen notwendig. Die ersten vorhandenen Schützenartikel stammen aus dem Jahr 1577, beziehen sich aber noch auf ältere Artikel.

Die älteren Artikel und Stadtchroniken wurden beim großen Stadtbrand 1634 vernichtet. Überlieferungen berichten allerdings, dass schon um 1500 nach dem Vogel geschossen wurde. Jährlich einmal wurde eine Schießbleiche am Pfingstsonntag abgehalten. Auf ihr konnten sich alle Bürger der Stadt belustigen.

Die Entwicklung des Schießens über Bürgerschützen, Stadtsoldaten, Bürgerwehren, freiwilligen Schützenkompanien, Nationalgarde, Bürgergarde, freiwilliger Schützenwehr, uniformierten Schützenkorps, Freihandschützenverein mit regelmäßigen Pflichtschießen führte auch zur Bildung einer Spitzkugelkompanie, die am 21. April 1875 unter dem Namen "Schützenverein Bautzen" ins Leben gerufen wurde. Dieser Verein erwarb durch die Vielseitigkeit seiner schießsportlichen Veranstaltungen und seinem schützenbrüderlichen Geist viele Freunde.

1939 wurden alle Schützenvereinigungen der Stadt Bautzen dem "Deutschen Reichsbund für Leibesübungen" eingegliedert.

Von 1952 bis 1990 war das sportliche Schießen für Jugendliche hauptsächlich nur unter der Mitgliedschaft in der "Gesellschaft für Sport und Technik" (GST), im Sportverein (SV) Dynamo oder dem "Arbeitersportverein" (ASV) möglich.

Am 30. März 1990 fanden sich einige Schießsportinteressierte in Bautzen und gründeten den "Bautzener Schützenverein 1875" e.V. Der Verein wurde Mitglied im "Sächsischen Schützenbund" e.V. und im "Landessportbund Sachsen" e.V.
Die Devise "Brauchtum, Hobby, Sport" des "Sächsischen Schützenbundes" ist auch die Grundlage der Arbeit des "Bautzener Schützenvereines 1875" e.V. Der Verein nimmt an Wettkämpfen bis zur Landesmeisterschaft und sogar Deutschen Meisterschaft teil und konnte auch schon gute Ergebnisse erreichen, er gibt aber auch waffeninteressierten Bürgern die Möglichkeit, ihrem Hobby zu frönen. Interessierten Nichtmitgliedern wird die Möglichkeit gegeben, gegen ein geringes Entgelt die Vereinsanlagen mit eigenen oder mit Vereinswaffen zu nutzen.